Je suis Charlie (de)

10917853_759873944065639_8372959626690184527_nEigentlich sollte hier heute ein anderer Artikel erscheinen. Doch nach dem Massaker von Paris fehlen mir die Worte. Victor Hugo hat sie gefunden – in seiner Rede vom 23. Mai 1850 vor der Assemblée législative. Damals ging es darum, dass die in Frankreich geltende Trennung von Staat und Kirche aufgehoben werden sollte, was Hugo ebenso wie Voltaire kritisierte. Bereits damals ging es also um Religion und Meinungsfreiheit (Schnellübersetzung weiter unten):

„[…]Eh bien ! je m’adresse au parti de la peur, non dans cette chambre, mais partout où il est en Europe, et je lui dis : Regardez bien ce que vous voulez faire ; réfléchissez à l’œuvre que vous entreprenez, et, avant de la tenter, mesurez-la. Je suppose que vous réussissiez. Quand vous aurez détruit la presse, il vous restera quelque chose à détruire, Paris. Quand vous aurez détruit Paris, il vous restera quelque chose à détruire, la France. Quand vous aurez détruit la France, il vous restera quelque chose à tuer, l’esprit humain. ( Mouvement prolongé.)

Oui, je le dis, que le grand parti européen de la peur mesure l’immensité de la tâche que, dans son héroïsme, il veut se donner. ( Rires et bravos.) Il aurait anéanti la presse jusqu’au dernier journal, Paris jusqu’au dernier pavé, la France jusqu’au dernier hameau, il n’aurait rien fait. ( Mouvement.) Il lui resterait encore à détruire quelque chose qui est toujours debout, au-dessus des générations et en quelque sorte entre l’homme et Dieu, quelque chose qui a écrit tous les livres, inventé tous les arts, découvert tous les mondes, fondé toutes les civilisations ; quelque chose qui reprend toujours, sous la forme révolution, ce qu’on lui refuse sous la forme progrès ; quelque chose qui est insaisissable comme la lumière et inaccessible comme le soleil, et qui s’appelle l’esprit humain ![…]“

(Quelle/ source: wikisource)

Schnellübersetzung:

Nun, ich wende mich an die Partei der Angst, nicht in diesem Raum, sondern überall, wo sie auch sein mag in Europa und ich sage ihr: Seht genau hin, was ihr da vorhabt, denkt darüber nach, was ihr tun wollt und bevor ihr es versucht, überdenkt es gut. Ich nehme an, ihr werdet Erfolg haben. Wenn ihr die Presse zerstört habt, wird euch etwas bleiben, das ihr zerstören müsst: Paris. Wenn ihr Paris zerstört habt, wird euch etwas bleiben, das ihr zerstören müsst: Frankreich. Wenn ihr Frankreich zerstört habt, wird euch etwas bleiben, das ihr umbringen müsst: den menschlichen Geist. (Längere Unruhe.)

Ja, ich sage euch, die große europäische Partei der Angst ist sich der Ausmaße ihrer Aufgabe bewußt, die sie sich in ihrer Heldenhaftigkeit gestellt hat. (Gelächter und Applaus.) Und wenn sie die Presse auch bis auf ihre letzte Zeitung, Paris bis auf den letzten Pflasterstein, Frankreich bis auf seinen letzten Dorfflecken, ausgelöscht hat, so wird sie doch noch nichts erreicht haben. (Unruhe). Es wird etwas bleiben, das sie noch zerstören muss, das noch immer aufrecht steht, generationenübergreifend und gewissermaßen zwischen Mensch und Gott, etwas, das alle Bücher geschrieben, alle Künste erfunden, alle Welten entdeckt, alle Kulturen geschaffen hat, etwas, das als Revolutionen immer wieder auflebt wenn man es ihm in Form von Fortschritt verweigert, etwas Ungreifbares wie das Licht und Unerreichbares wie die Sonne: der menschliche Geist! […]

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