Auch Zeichen wollen übersetzt werden

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Sprachen unterscheiden sich nicht nur in ihren Worten, sondern auch in ihren typographischen Regeln. Daran, ob jemand diese unterschiedlichen Regeln beherrscht, erkennt man dann möglicherweise auch den Profi. Wobei ich gerne zugebe, dass man hier leicht durcheinander kommen kann. Deswegen also hier eine kleine Aufstellung über die wichtigsten Unterschiede, wobei die nachfolgenden Regeln ausdrücklich für Deutschland und Frankreich gelten. Insbesondere in der Schweiz gibt es da noch einmal andere Regeln. Übrigens: Was die nachfolgend immer wieder erwähnten „festen“ oder „geschützten“ Leerzeichen angeht, so ist es in Word empfehlenswert hier nicht das standardmäßig in den meisten Schriftarten verfügbare Leerzeichen zu verwenden, das mit der Tastenkombination Ctrl-Shift-Leertaste eingefügt wird, sondern ein „schmales“ Leerzeichen zu definieren. Die entsprechende Anleitung findet sich hier.

Das Prozentzeichen

Ein besonders weit verbreiteter Fehler betrifft das Prozentzeichen, wobei diese Regel ausnahmsweise für Deutschland und Frankreich dieselbe ist: Das Prozentzeichen wird von der vorstehenden Zahl durch ein Leerzeichen getrennt! Jawohl! Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit: das steht aber doch überall so (also aneinander gequetscht). Nur weil es alle machen, wird es ja nicht richtiger. Und in englischen Texten ist das auch durchaus korrekt. Aber nicht in deutschen Texten und auch nicht in französischen.

Wenn wir von vier Prozent sprechen, schreiben wir das ja auch nicht zusammen. Dies als Eselsbrücke. Anders ist es, wenn von hundertprozentig die Rede ist. Dann schreiben wir das entweder aus oder so: 100%ig (was natürlich nicht so hübsch aussieht, aber gut).

Leerzeichen vor doppelten Satzzeichen im Französischen

Alle doppelten Satzzeichen werden mit einem geschützten (möglichst schmalen) Leerzeichen vom vorhergehenden Wort getrennt. Word macht das automatisch, wenn man auf „französisch“ umstellt. Doppelte Satzzeichen sind Ausrufezeichen (!), Fragezeichen (?), Doppelpunkt (:), Semikolon (;), Anführungsstriche (« und »), Prozentzeichen (%). Die öffnende und die schließende Klammer hingegen sind keine doppelten Satzzeichen und werden dementsprechend genau wie im Deutschen gesetzt.

Anführungszeichen

Die deutschen Anführungszeichen sind „ und “. Zitate innerhalb der wörtlichen Rede, also Anführungszeichen innerhalb von Anführungszeichen werden mit , und ‘ gekennzeichnet. Aber Achtung, das halbe Gänsefüßchen oben befindet sich auf der QWERTZ-Tastatur auf derselben Taste wie das # und nicht auf der Taste vor dem Rückschritt (dort finden sich die für französisch benötigten Akzente!).

Übrigens: Es gibt in deutschen Büchern auch durchaus » und «. Diese als „Chevrons“ bezeichneten Anführungszeichen werden im Buchdruck genau umgekehrt verwendet wie in Frankreich. Sie zeigen immer mit der Spitze nach innen.

Die französischen Anführungszeichen, die sogenannten Guillemets, sind « und ». Sie zeigen mit der Spitze nach außen. Wichtig hierbei ist, es handelt sich um sogenannte „doppelte Satzzeichen“, also Satzzeichen, die aus zwei Elementen bestehen (es sind zwei kleine Pfeile nach rechts bzw. nach links). Damit ist das öffnende französische Anführungszeichen durch ein festes Leerzeichen vom nachfolgenden Wort und das schließende Guillemet durch ein festes Leerzeichen vom vorherigen Wort zu trennen. Zitate innerhalb der wörtlichen Rede werden nach der französischen Regel entweder mit Anführungszeichen oben (sogenannten englischen Anführungszeichen) oder ebenfalls mit guillemets gekennzeichnet. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, Zitate im Zitat kursiv zu setzen. (Achtung: Im Buchdruck gelten hier nochmals andere Regeln. Dann werden auch innerhalb des Zitats Guillemets verwendet, wobei an jedem Zeilenanfang erneut ein öffnendes Gänsefüßchen einzufügen ist).

Semikolon und Doppelpunkt

Immer wieder verwechselt werden die Regeln für die Groß- und Kleinschreibung nach Doppelpunkt und Semikolon. Im Französischen wird nach Doppelpunkt und Semikolon immer klein weitergeschrieben. Im Deutschen gilt diese Regel nur für das Semikolon. Folgt nach dem Doppelpunkt ein vollständiger Satz, so wird dieser hingegen wie gewohnt mit einem Großbuchstaben begonnen. In allen anderen Fällen wird auch im Deutschen nach dem Doppelpunkt klein weitergeschrieben.

usw. und etc.

Ebenfalls leicht durcheinander gebracht wird diese Regel, wonach im Deutschen vor „usw.“ niemals ein Komma steht, während dieses im Französischen vor „etc.“ immer einzufügen ist!

Gliederung

In französischen Gliederungen gibt es eine Besonderheit, die das jeweils erste Element betrifft. Die Regel besagt hier, dass es sich dabei stets um eine Ordnungszahl handelt. Das bedeutet, es ist „article premier (oder article 1er), alinéa 1er, livre premier, première page, premier chapitre usw. und nicht „article 1“. Die weiteren Zahlen sind dann ganz normale Kardinalzahlen, also article 2 usw.

Aufzählungszeichen

Aufzählungen mit Aufzählungszeichen (z.B. Spiegelstrich) erhalten im Französischen stets ein Semikolon am Ende jedes Spiegelstrichs, der letzte Spiegelstrich wird dann mit einem Punkt beendet.

Au rez-de-chaussée :
– une entrée ;
– une cuisine ;
– une salle à manger.

Im Deutschen ist das komplizierter. Wenn die Aufzählung im Grunde aus einem vollständigen Satz besteht, dann gelten die gewohnten Kommaregeln:

Das Erdgeschoss besteht aus
– einem Eingang,
– einer Küche und
– einem Esszimmer.

Bei einer reinen Aufzählung kann entweder ein Komma ans Ende jedes Aufzählungszeichens gesetzt und am Ende mit einem Punkt abgeschlossen werden oder man verzichtet auf jegliches Satzzeichen:

Erdgeschoss:                                                          Erdgeschoss:
– Eingang,                                                               Eingang
– Küche,                          oder                                 Küche
– Esszimmer.                                                           Esszimmer

Bestehen die einzelnen Aufzählungspunkte hingegen aus vollständigen Sätzen oder komplexen Satzteilen, so wird das Semikolon verwendet:

Das Erdgeschoss besteht aus
– einem lichtdurchfluteten Eingang, der zum Verweilen einlädt;
– einer geräumigen Küche mit Platz für eine mittige Kochinsel und
– einem eleganten Esszimmer.

Das Erdgeschoss besteht aus
– einem lichtdurchfluteten Eingang, der zum Verweilen einlädt. Hier haben Sie ausreichend Platz für eine geräumige Garderobe;
– einer großen Küche mit Platz für eine mittige Kochinsel;
– einem eleganten Esszimmer, in dem Sie Ihre Gäste luxuriös bewirten können.

Datumsangaben

In Zahlen geschriebene Daten werden im Französischen durch Querstriche getrennt (06/12/2014), im deutschen hingegen durch Punkte (06.12.2014). Bei Datumsangaben, in denen der Monat ausgeschrieben ist, bekommt der Tag im französischen im Gegensatz zum Deutschen keinen Punkt (14 juillet 1789 bzw. 14. Juli 1789).

Uhrzeit

Die Uhrzeit wird im Deutschen mit einem Punkt zwischen den Zahlen angegeben. Viertel nach zehn wird folglich zu 10.15 Uhr. Auch die Schreibweise mit Doppelpunkt ist laut Duden erlaubt (10:15 Uhr).

Im Französischen wird die Uhrzeit mit einem kleinen „h“ zwischen den Zahlen gekennzeichnet: 10 h 15. Ganz wichtig: Zwischen der Zahl und dem kleinen h steht jeweils ein geschütztes Leerzeichen, auch wenn das selbst französische Behörden gerne einmal falsch machen.

Zahlen und Währungen

Im Französischen ist die (kleingeschriebene) Währung stets nachzustellen und erhält im Plural ein „s“. Im Deutschen ist sowohl ein Nach- wie auch Vorstellen der Währung möglich und korrekt. Im Fließtext sollte die Währung allerdings nachgestellt werden.

Im Deutschen wie im Französischen werden Zahlen in Dreierblöcke unterteilt. Im Deutschen sind diese durch Punkte oder geschützte schmale Leerzeichen zu trennen, während im Französischen ein geschütztes, schmales Leerzeichen einzufügen ist. Da Word dieses schmale Leerzeichen in den meisten Schriften nicht unterstützt (wie man dies dennoch einfügen kann, erkläre ich hier), kann auch auf ein normales geschütztes Leerzeichen zurückgegriffen werden. (frz.: 1 000 euros – dt: 1.000 Euro). Die früher für Deutschland geltende Regel, die besagte, dass vierstellige Zahlen auch in einem einzelnen Block geschrieben werden dürfen (1000 Euro), gilt nicht mehr.

Auslassungspunkte

Auslassungspunkte kennzeichnen „weggelassenen“ Text. Im Französischen werden diese Auslassungspunkte ohne Leerzeichen direkt an das letzte Wort geschrieben, während im Deutschen vor und hinter den Auslassungspunkten ein Leerzeichen einzufügen ist. Nur wenn die Auslassungszeichen fehlende Buchstaben innerhalb oder am Ende eines Wortes ersetzen, fehlt dieses Leerzeichen („Sch…“ anstelle von „Scheiße“) auch im Deutschen.
Stehen die Auslassungspunkte für fehlenden Text innerhalb eines Zitats, werden sie im Französischen in eckige Klammern gesetzt ([…]). Auslassungen in wissenschaftlichen Texten werden auch im Deutschen meist durch zusätztliche eckige Klammern kenntlich gemacht. Im Französischen stehen die drei Auslassungspunkte insbesondere bei Aufzählungen auch häufig für „etc.“. In diesem Fall sind sie im Deutschen durch „usw.“ zu übersetzen.

Erster Satz in einem Brief

Im Deutschen beginnt der erste Satz in einem Brief nach dem Komma der Anrede klein:
„Sehr geehrter Herr X,
hiermit …“

Im Französischen beginnt der erste Satz mit einem Großbuchstaben, trotz des Kommas in der Anrede:
„Madame, Monsieur,
Veuillez trouver ci-joint …“

Weiterführende Literatur und Links

Regles typographiques
Sehr hilfreich, wenn es um die französischen Typografieregeln geht, ist dieses kleine Büchlein:
„Lexique des règles typographiques en usage à l’imprimerie nationale“

Duden
Die deutschen Typografieregeln finden sich zum Teil im Duden
(„Die deutsche Rechtschreibung“), oder in der Din-Norm 5008.


Die Privatschule Eberhard hat eine Worddatei zum Download bereitgestellt, in der sich die wichtigsten für das Deutsche geltenden Regeln der Din-Norm 5008 befinden.

Auch auf legifrance.fr gibt es eine sehr hilfreiche Seite (in französischer Sprache) mit den insbesondere für juristische Texte geltenden Regeln.

Hier können Sie sich diesen Artikel als pdf-Datei herunterladen.

(zuletzt geändert: 26. Mai 2015)

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7 Gedanken zu “Auch Zeichen wollen übersetzt werden

  1. Hallo Astrid,
    ich habe auch eine Frage: Wird in der französischen Sprache vor und nach dem Gedankenstrich ein Leerzeichen gesetzt? Das ist in vielen Sprachen unterschiedlich.
    Auch der Streckstrich ist mir nicht ganz klar. In DE zum Bsp: 12–20 m. Kennst Du hierfür auch eine Regel in der französischen Sprache?
    Von mir auch ein Danke und Grüße!
    Ute

    • Liebe Ute,
      das ist im Französischen wie im Deutschen, einfach ein normales Leerzeichen vor und hinter dem Gedankenstrich.
      Das Intervallzeichen im Frz. ist eigentlich eher zu vermeiden, stattdessen schreibt man „à“ oder „et“ (also „Il a vécu à Paris entre 1830 et 1835″ oder „Il a vécu à Paris de 1830 à 1835″)

      Liebe Grüße
      Andrea (aber Astrid ist auch hübsch ;-))

  2. Guten Tag / Bonjour :)

    Zum Thema „Zahlen und Währungen“:

    »Im Deutschen wie im Französischen werden Zahlen in Dreierblöcke unterteilt.«
    Werden aber im Französischen z. Bsp. Telefonnummern nicht in 2er-Blöcken genannt (abgesehen von der Vorwahl)?
    Z. Bsp.: 0123 45 67 89
    (also zero, un, deux, trois, quarante-cinq, soixante.sept, quatre-vingt-neuf)?

    Bonne journée, Hans

  3. Sehr guter Artikel!! Vielen Dank für die schöne Zusammenfassung.

    Es gibt von Duden außerdem das schmale Büchlein „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen“, in dem es ausschließlich um die Satzzeichen im Deutschen geht. Die Hälfte des Buches ist dem Komma gewidmet, allerdings wird auch die Zeichensetzung der indirekten Rede sowie die korrekte Anwendung des Punktes, des Spiegelstriches, der Klammern usw. erklärt.

    Viele Grüße

  4. Guten Morgen,

    wie ist es mit dem Apostroph? Macht man nach dem Apostroph zum Beispiel bei d‘ hommes vor dem hommes ein Leerzeichen?
    Danke und Grüße
    Astrid Wetter

    • Liebe Astrid,

      nein, hier kommt kein Leerzeichen, weder im Deutschen noch im Französischen. Wichtig ist hier vor allem, wirklich die „Apostroph“-Taste zu verwenden (auf der deutschen Tastatur die Taste rechts neben dem „ä“ zusammen mit der Umschalt-Taste). Gelegentlich wird nämlich stattdessen die Akzenttaste benutzt, die sich rechts neben der „ß“-Taste befindet. Diese dient allerdings dazu einen accent grave oder einen accent aigu einzufügen.

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